Männer…

Zum Männertag bloggen finde ich angemessen. Schließlich mag ich Männer ja auch sehr und kann nicht schlechter über sie schreiben als über Frauen. Dass ich im aktuellen Schall-Musikmagazin gleich drei Mannsbilder mit meinen Interviews unterbekommen habe –  den supersympathischen DARI, den entspannten Roland Bless und Ben Zucker

– ist natürlich klasse. Lag aber nicht nur an mir, sondern auch am Herausgeber, dem dritten sympathischen Mann im Bunde.

Ich könnte jetzt locker so weiterschreiben (was in der Sonne auf dem Balkon sitzend und den dritten Böllerwagen in der Ferne erspähend auch echten Spaß macht), aber ich muss einen Artikel vorbereiten und da ist Konzentration aufs Wesentliche gefragt. Wobei ich das Interview morgen in Offenburg auch mit einem Mann führe (dem aktuellen deutschen Speerwurf-Weltmeister).  Aber es folgen bald auch Leichtathlet*innen, insofern lasse ich mir keine Gender-Bevorzugung unterstellen. Gibts für die eigentlich ein Wort? Genderierung? Wird von der mosernden Textkorrektur ja sofort zu „Generierung“ umformuliert…

Nun gut. Dieses „Gender-Ding“ finde ich  in seiner Diskussion ja schon wichtig und angemessen, denn dafür leben wir in einer freiheitlichen Demokratie. Wie weit die sprachliche Fixierung konkret reichen sollte, kann ich für mich allerdings noch nicht abschließend beantworten. Kürzlich sprach ich fürs wunderbare Frauen-Magazin Separee mit einer Wissenschaftlerin über eine FLT*I*-Community, also Frauen, Lesben, trans* und inter* Personen. Klar sieht die Abkürzung in einem Text holprig aus, und bei einem Subjekt immer *in oder /in dranhängen zu müssen finde ich manchmal auch eher nervig. Aber warum nicht, wenn es die Belange aller unterstützt. Ich selbst kann ja auch in jeder Beziehung Frau sein wie ich will. Wenn ich da an andere Länder denke…

Mit einer Leichtathlet*in unterhielt ich mich gerade erst über die im September anstehende WM in Doha und dachte an mein Erlebtes in der Hauptstadt von Katar. Ich hatte einen zweitägigen Aufenthalt als Zwischenstopp, den ich beim hektischen Buchen eines Billigfliegers von Sri Lanka aus kommend glatt übersehen hatte. Aber er war, wie so immer auf meinen Reisen, unglaublich bereichernd, dass ich ihn nicht missen möchte. Ich residierte in einem Palast von Hotel in einer Suite größer als meine Wohnung, und ich lernte, wie ich mich als allein reisende Frau abends in einem Emirat verhalten sollte. Auf der Ufer-Promenade staunte ich tagsüber dann auch nicht schlecht, als ich unzählige Händchen haltende Männerpaare sah. So offen? Hier? Erst später erfuhr ich, dass es nichts mit sexueller Freiheit zu tun hat, sondern mit Freundschaft. Schöne Sache – wenn man nicht wüsste, dass Homosexuellen in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie in Iran, Sudan, Mauretanien, Saudi-Arabien und Jemen noch immer die Todesstrafe droht… Was Frauen in diesen Staaten alles verboten ist, zähle ich hier jetzt mal nicht auf. Lieber schließe ich den Kreis wieder zur Leichtathletik, wo gerade beschlossen wurde, dass die Testosteronwerte einer Sportler*in ihre Wettkampfteilnahme beeinflussen. Danach können an den Mittelstreckenwettbewerben der Frauen aktuell nur Personen teilnehmen, deren Testosteronspiegel unter fünf Nanomol pro Liter liegt. Darf man eine Athletin wie Südafrikas Leichtathletik-Olympiasiegerin Caster Semenya demzufolge von Frauenwettbewerben ausschließen, weil ihre Testosteronwerte durch natürliche Gründe (die allerdings auch optische Ausprägungen haben) zu hoch sind? Meine Kollegen der dpa und vom DLV berichteten sachlich:

https://www.leichtathletik.de/news/news/detail/caster-semenya-will-keine-hormon-reduzierung-vornehmen/

Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hat die neue Regelung bereits bestätigt, sie wird aber weiter kontrovers diskutiert. Gestern wurde bekannt, dass Semenya vor das Schweizer Bundesgericht zieht, um  das Urteil anzufechten. Ohne Erfolg müsste sie sich  einer Hormontherapie unterziehen, sollte sie weiterhin an Frauenrennen zwischen 400 Metern und einer Meile (1609 Meter) teilnehmen wollen. Bin gespannt, wie sich die Leichtathletik-WM dann Ende September tatsächlich gestaltet. Sehr gespannt. Männer sind ja auch dabei 🙂

***Ich finde übrigens nicht, dass sie es jetzt schwerer haben als zu Zeiten, in denen sie noch Ernährer, Begatter und Bespaßer in einem waren. Auch die Männer dürfen sich neu definieren, das ist doch toll! Ich denke, man(n) ist, was man(n) draus macht. Und damit beende ich meinen philosophischen Männertags-TED in der Online-Version und schaue nach einer von Grillfleisch unterstützten Offline-Variante im Park.

Diagnose Blog-Blockade

Hab ich wirklich das letzte Mal am 15. März gebloggt? Kommt mir gar nicht so vor. Aber klar, ich hatte ja bis Ostern zu tun. Und nach Ostern auch. Dazwischen war ich offline bzw. behaupte das jetzt mal. Bin ich damit aus dem Schneider? Rhetorische Frage,  logo, denn die Entscheidung, hier öfter zu schreiben, habe ich ja freiwillig getroffen. Natürlich habe ich öfters daran gedacht, dass ich mal wieder müsste. Nur mag ich das Wort „müssen“ ja nicht so.  Dürfte ich auch mal einen Award verleihen, ginge meiner an die Werbeagentur, die sich den Slogan „Weniger müssen müssen“ ausgedacht hat. Auch ohne Prostata finde ich ihn einfach toll. Aber ich schweife ab. Ist immer so, wenn die Schuldfrage geklärt werden muss…

Ich habe mich wirklich oft (wenn auch nur schwach) an meinen Februarvorsatz erinnert, ehrlich. Gerade eben erst zur Party von Montblanc im ehemaligen Goya/Metropol/Kitkat am Nollendorfer Platz in Berlin. Geladen waren da auch die Instagram-Influenzer-IT-Girls Poppy Delevingne, Suki Waterhouse und Toni Garrn. Muss man(n) nicht kennen, ich allerdings schon. Als ich ihr Posing vor Koffern und anderem Partyinventar sah, dachte ich kurz an meine aktuelle Blog-Blockade.  Ob mich ein neuer, frischdesignter und unkaputtbarer Koffer umstimmen würde? Wohl kaum. Tatsache ist, dass es mich wenig stört, NICHT mitteilen zu müssen, wessen Koffer bzw. Outfit ich gerade trage und woher meine glatte Haut kommen könnte, wenn ich sie denn hätte. Diese Freiheit habe ich dann gleichmal mit der anwesenden Musikkapellen-„Meute“ gefeiert, die ihrem Namen ganze Ehre machte:

Montblanc-Meute
Die Musikkapelle „Meute“ beim Montblanc-Event

Palina Roijnski und Lars Eidinger legten auch noch auf, aber das ist ja nichts Besonderes mehr in Berlin. Ein angezogenes und wohlerzogenes Blas-Orchester im ehemaligen Kitkat schon.

Natürlich habe ich nur kurz gefeiert, es hieß ja auch arbeiten davor und danach. Womit sich wieder der Kreis zu Ostern schließt. Es gibt viel zu tun… und ich habe doch keine Zeit… Aber sicher bald wieder! Im Sommer vielleicht, nach einem Strandinterview  😉

Honig im Zopf

Sollte ich erwähnen, dass es regnet? Schon länger. Durchgehend. Ist natürlich toll für die Natur. Ich freue mich auch, sogar wenn ich auf dem Rad sitze. Na gut, bei meinem ersten Montagstermin war ich dennoch froh, dass ich nur übers Radfahren sprechen musste und einen Kaffee gereicht bekam bei milden Zimmertemperaturen. Anlass war die Einladung von Bahnradsportler Robert Förstemann, der stolz verkündete, in den Para-Sport gewechselt zu sein. Er fährt nun als Tandem-Guide mit dem sehbehinderten Kai Kruse und startet am Samstag im niederländischen Apeldoorn  bei der Paracycling-WM im 1000-Meter-Zeitfahren.  Das Interview mit Robert  findet man in der heutigen Print-Ausgabe des Tagesspiegel, online

https://www.tagesspiegel.de/sport/robert-foerstemann-ich-will-ein-statement-setzen/24104816.html

und das Foto vom gut gelaunten Duo beim Pressetermin gibt´s hier:

Förstemann-Kruse

Robert hat Bock auf Neues neben dem Teamsprint – nach 15 Jahren Einzelfahren legitim würde ich sagen. Dass er aufgrund seines schweren Sturzes im Januar unter Schmerzen fährt, aber auf Medikamente verzichtet und sogar bei den Six Days Ende März in Manchester wieder Speed im Einzel fahren wird, ist taff. Da weiß ich mal wieder, warum ich keine Profisportlerin geworden bin…

Warum keine Schauspielerin, weiß ich auch schon längst, konnte es mir Dienstag aber mal wieder ins Gedächtnis rufen. Da stand ich für die Berliner Morgenpost vor dem Zoo Palast am roten Teppich der Premiere des Kinofilms „Head full of Honey“ und fror, während ich auf die Stars des Abends wartete. Als ich Emily Mortimer („Mary Poppins Rückkehr“) im schulterfreien Kleidchen Interviews geben sah, war ich froh, dass ich Mantel und Schal trug und mir von einem Heizpilz den Kopf wärmen ließ. Der war natürlich unwichtig, als Matt Dillon kam und bereitwillig meine Fragen beantwortete.  Toller Typ. Charismatisch und unvergessen in „Wild Things“. Die anderen Filme mit ihm habe ich auch alle  – bis auf „The house that Jack built“ – gesehen.  Aber der eine war einfach zu gut und irgendwie sieht Matt auch fast noch aus wie früher…

MattDillon
Matt Dillon im Interview

Nach ihm gab Eric Roberts Interviews und bei ihm musste ich schon genauer hinsehen, um ihn zu erkennen. Gut, sein mir bekannter Film „Dark Honeymoon“ liegt schon etwas zurück, aber er ist eben auch schon 62. Und sehr höflich. Als ich kurz für ein Telefonat unterbrach, wartete er geduldig und  gab erst nach dem Ende unseres Gesprächs einem wartenden TV-Team seine Antworten:

EricRobertsDreh
Eric Roberts im TV-Gespräch

Und weil ich grad von Honey schrieb: Til Schweiger, Regisseur und Produzent von „Head full of Honey“,  kam natürlich auch noch vorbei und  flachste herum. Ihm sei kalt und er erkältet, die Kritiker in den USA blöd, aber er gut drauf und zufrieden und dankbar und ohne Freundin. Aha. So geht es also auch. Ob er auch manchmal Honig im Kopf habe, fragte ihn eine Kollegin. Er verstand „Zopf“ und lachte so scheckig wie in „Der bewegte Mann“. Ja, da macht Arbeit Spaß. Sein Film „Head full of Honey“ war dann wider Erwarten und wider der US-Kritiken auch gar nicht so schlecht. Vor allem die elfjährige Enkelin der Hauptfigur, die von Nick Nolte gespielt wird, war so herzerfrischend süß, dass man galant darüber hinwegsehen konnte, dass sie im wahren Leben die Tochter des 78-jährigen ist. Tochter. Nicht dass das auf der Aftershow-Party danach ein großes Thema gewesen wäre. Da ging es eher um andere „Projekte“. Ich hörte zu und schrieb, ähm, nicht mit. Festhalten kann ich dennoch: Man erfährt auf so einem Event durchaus spannende News. Neue Geschichten wollen ja auch gefunden werden…

Jetzt finde ich aber erstmal den Ausgang ins Wochenende und erfreue mich an dem Berlin Buddha, der mir auf dem Nachhause-Weg vom dpa-Büro in einem kurzen regenfreien Moment ein Herzchen zuwarf:

Berlin Buddha

HAPPY WEEKEND!

Frei, Frau und Feiertag

Lesungen sind ja so eine Sache: Bist du müde, hörst du nicht wirklich zu, kommst aber vielleicht mal zum Nachdenken über andere, im Idealfall wichtige Dinge. Oder du hörst zu (weil nicht müde) und kommst zum Nachdenken über gesagte, wichtige Dinge. So auch bei meiner ersten Schönen Lesung von radioeins. Sie nennt sich so und hat den Namen sicher auch verdient, denn allein der große Sendesaal des rbb ist wirklich schön.

Radio1-Lesung
Autorin Hanya Yanagihara und Literaturagent Thomas Böhm

Wer hier liest, muss nicht zwangsläufig schön sein, gestern passte es aber ganz gut mit dem Hinschauen nebst Hinhören, denn Mark Waschke las vor und der sieht eigentlich in jedem seiner Filme, allen voran der Berliner Tatort, gut aus. Aber um ihn ging es natürlich nicht, sondern um das erste Buch der einmalig anwesenden Autorin Hanya Yanagihara, „Das Volk der Bäume“ von 2013. Dass sie nicht aus ihrem zweiten Roman, dem Bestseller „Ein wenig Leben“ las, sondern aus einem Buch, das bereits vor sechs Jahren veröffentlicht wurde, mag seltsam anmuten. Wenn man dann aber erfährt, dass sie 18 Jahre an ihm geschrieben hat, erscheint einem der Termin fast schon „zeitnah“. Und der Inhalt passt auch erstaunlich gut zum aktuellen  Weltgeschehen.

In „Das Volk der Bäume“ geht um einen Arzt, der auf einer Insel glaubt,  ein Mittel gegen die Sterblichkeit gefunden zu haben. Damit erhebt er sich an die Spitze der Wissenschaft, leitet aber auch die Kolonisierung und Zerstörung der Insel ein. Der Roman basiert auf einem realen Fall: dem Missbrauchsskandal um den US-amerikanischen Virologen und Nobelpreisträger Daniel Carleton Gajdusek. Yanagihara stellte in ihrer Kommentierung selbst einen Bezug zu den Missbrauchsvorwürfen gegenüber Woody Allen & Co her, den der Moderator,  radioeins-„Literaturagent“ Thomas Böhm, wortgewandt hinterfragte. Überhaupt war die gesamte Lesung lobenswert, weil kurzweilig und bisweilen sogar amüsant. Hanya Yanagihara ist definitiv eine beeindruckende und humorvolle Frau. Mir gefiel die Tatsache, sie am internationalen Frauentag, der in Berlin gerade zum Feiertag auserkoren wurde, kennenzulernen. Frei hatte ich nicht wirklich, denn ich führte vorab noch ein Interview mit einer Leichtathletin für den Tagesspiegel, aber hey, es war eine Frau, und insofern….

Ich ließ es mir dann auch nicht nehmen, Mark Waschke besonders lange zu applaudieren, denn er las wunderbar flüssig und stimmig Passagen aus der deutschen Fassung des Buches vor und vermittelte mit seiner Lesebrille einen völlig neuen Eindruck. Ich musste lächelnd an mein dpa-Gespräch mit ihm auf der Berlinale denken, wo er mir von seinem Gott mit den zwei Geschlechtern erzählt hatte – einem „mit Schwanz und Titten“. Was für ein herrlicher Zufall, dass Yanagihara in dem Moment ebenfalls einen Satz sagte, in dem Gott vorkam, und der mich abschließend noch in die Berliner Nacht begleitete: Das Schreiben habe ihr ein gottgleiches Gefühl gegeben. Hatte das jemals eine Autorin so offen von sich behauptet? Zumindest habe ich davon nichts mitbekommen. Von einem Autoren wie Bild-Kolumnist Franz-Josef Wagner indes lese ich Sätze wie diese dagegen gefühlt täglich…

Nun denn, das Resümee meines ersten freien Frauentages in Berlin sei kurz zusammengefasst: Frei, Frau und Feiertag sind Begriffe, die wunderbar zusammenpassen. Aber wirklich neu ist das in Berlin nun auch wieder nicht. Allein die Tatsache, dass die Hauptstadt mit der Anzahl ihrer Feiertage anderen Bundesländern hinterherhinkt, ist das entscheidende Argument, das ich natürlich noch gebührend gefeiert habe…

Blog, barock und bunt

So, der Blog-Probemonat ist rum – und ich verlängere. Macht auch Sinn, denn nach einem kurzweiligen Februar, in dem noch Interviews mit Inka Bause, Jürgen Drews, Ben Becker sowie die Album-Präsentation von Schiller anstanden, startete der März farbenfroh und inspirierend mit einem Pressegespräch der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Die frische Moderation von Generaldirektorin Marion Ackermann sowie das flotte Begrüßen durch Albertinum-Chefin Hilke Wagner waren alles andere als barock und die grelle Sockel-Gestaltung in der Eingangshalle durch die kanadische Künstlerin Judy Radul ein absoluter Eyecatcher.

Judy Radul im  Albertinum  „Demonstrationsräume“  könnte man in Dresden ja auch falsch verstehen, aber so ist es doch perfekt. Zumal die Arbeiten des modernen Interventionsprojektes an die Ideen El Lissitzkys anknüpfen, dessen abstrakte Kunst parallel in den „Zukunftsräumen“ ein Stockwerk höher zu sehen ist. Neben Lissitzkys nachgebautem Ausstellungsraum von 1926 und seinen Werken werden hier auch bekannte Arbeiten von Kandinsky und Mondrian gezeigt:Albertinum: MondrianUnd ich muss festhalten: Die Ausstellung zur abstrakt-konstruktiven Avantgarde in Dresden von 1919 bis 1932 besticht nicht nur durch Farben und Formen, sondern auch durch allerhand Wissenswertes. Dass meine Heimatstadt Barockkunst UND Bauhaus vereint, wusste ich zum Beispiel nicht. Man lernt eben nie aus und auf Pressekonferenzen manchmal sogar dazu…

Am Abend ging es dann zur „Kollektiv“-Präsentation der Modedesign-Studenten der Fachhochschule Dresden. Nadja Herklotz, Laura Schmidt und Miriam Goerdt waren während ihres Studiums augenscheinlich vor allem eines gewesen: produktiv und kreativ. Vor 400 Gästen ließen sie im Kraftwerk Mitte ihre Models über mehrere Etagen laufen und zeigten selbst Fashion Week-verwöhnten Berlinerinnen wie mir etwas Neues mit dem, was Mode auch kann. Zum Beispiel Menschenhaare verwerten. Einmal genauer hinschauen bitte:

Model Nastasia

Model Nastasia trägt auf dem Kopf Haare, klar, aber auch einen Mantel gefüttert mit dem wertvollem Gut. Und jetzt mal raten, von wem wohl…

Nadja Herklotz mit Freund Lukas

Nadja und ihr Freund Lukas aus Berlin legten die Schlussfolgerung nahe. Die junge Designerin gab auch gern zu, dass ihre Haare im Mantel zu finden sind. Aber eben nicht nur: Sie habe zusätzlich beim Friseur und unter den Studenten gesammelt. Ihr Argument für nachhaltige Mode ist einleuchtend: Haar eignet sich wunderbar zur Wärmedämmung. Tut Lack aber auch. Deshalb gefiel mir die futuristische Sport-Kollektion „Mutare“ von Gisa Bigl dann ein klein wenig besser:

Gisa Bigl:Mutare

Wahrscheinlich einer meiner Neon-Flashs, die ich gern mal habe, aber warum auch nicht bei all dem Grau draußen. Dem setzten die Designer allerlei entgegen, zum Beispiel ein adrettes Männermodel im Slip mit Fliege und High Heels. Eingekleidet vom einzigen Mann unter den Studenten, aber das nur nebenbei. Insgesamt war es eine beeindruckende und gelungene Schau ambitionierter Designer, die mit ihrem Kollektiv-Gedanken das folgende Event einen Tag später wunderbar einleiteten:

Martin Grubinger

Martin Grubinger performte am 2. März mit den Berliner Philharmonikern und zeigte vor ausverkauftem Publikum im Großen Saal, dass er einer der besten Perkussionisten weltweit ist. Da ich selbst Schlagzeug spiele, war ich natürlich doppelt gespannt auf den 35-jährigen Drummer aus Österreich. Laut einem Tagesspiegel-Interview besitzt er daheim mehr als 700 (!) Schlaginstrumente und einen eigenen Fußballplatz, verbrennt bei Konzerten 2000 Kalorien und hat einen höheren körperlichen Verschleiß als ein Profifußballer! Das wundert mich allerdings nicht. In der Konzert-Einführung erfuhr ich, dass es Grubinger auf 1000 Schläge pro Minute bringt – ein absoluter Wahnsinn. Das Konzert war dann fast noch mehr. Unter der Leitung von Dirigent Zubin Mehta trommelte sich der Drummer regelrecht in Ekstase, was Teil des amerikanischen „Marching Drummings“ ist. Die Stücke hatte etwas Zirzensisches (das musste ich allerdings nachlesen, denn für die Verrenkungen und Ausrufe des Künstlers hatte ich keinen Begriff parat). Vielleicht sollte ich das auch mal ausprobieren: Trommeln und Schreien. Es wirkte befreiend und animalisch und so ganz anders als man es bei einem klassischen Konzert erwartet.

Grubinger ging voll aus sich heraus und hatte dabei die Unterstützung von einem grandiosen Orchester, das vor der Pause selbst mit einem kollektiven Schrei überraschte. Ich kann schwer beschreiben, wie sich das alles anfühlte, es war auf alle Fälle ein Erlebnis für alle Sinne. Grubinger verließ unter Ovationen den Saal, der zweite Teil des Konzerts gehörte nun ganz den Berliner Philharmonikern. Und die glänzten weiter mit Nikolaj Rimsky-Korsakows Symphonischer Suite Schehezerade, in der verschiedene Episoden und Bilder aus Tausendundeiner Nacht in Musik gefasst wurden. Ja, ich bin beseelt aus dem Saal und kann nur schreiben, dass ich glücklich und dankbar bin, selbst ein Instrument zu spielen. Mit Geige, Flöte und Klavier kam ich trotz der Hoffnungen meiner Eltern ja nicht weit, mit dem Schlagzeug bin ich zumindest höchst motiviert.

Aber ehe ich mich heute meinem Hobby widme, möchte ich noch einen Schwenk zu meiner Heimatstadt finden, in der Grubinger Ende März mit den Dresdner Philharmonikern auftritt, und ganz unbescheiden auf den Tagesspiegel von heute verweisen, in dem sich mein Interview mit Schauspieler Axel Milberg finden lässt:

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/tatort-schauspieler-axel-milberg-ich-bin-gerne-treu-aber-nicht-als-konsument/24058598.html

Ich hatte ihn auf der Berlinale getroffen, wo er mir mit seinem ganz eigenen spitzbübigen Lächeln von seinen „wilden Daumen“ erzählte, mit denen er nachts im Bett neben seiner Frau den Roman „Düsternbrook“ tippte, der im Mai erscheint. Milberg ist für mich ein grandioser Schauspieler, der eine leise, humorvolle Art hat, die in Kommissar Borowski, seiner Kieler Tatort-Figur, wiederzufinden ist. Oder andersherum. Vielleicht täusche ich mich auch, schließlich kenne ich den Schauspieler nur beruflich, nichtsdestotrotz ist es immer eine Freude, mit ihm zu sprechen. Und der Tatort heute Abend – „Borowski und das Glück der anderen“ – ist auf jeden Fall empfehlenswert.

Ich empfehle mich an dieser Stelle und freue mich auf die kommende Woche mit einem neuen Berliner Feiertag: dem 8. März. Klar, dass ich den freigeschaufelten Frauentag zelebrieren werde. Wie, wird sich/ werde ich zeigen…

 

Berlin(fin)ale

Es ist vorbei. Aus. Ende. Dieter ist weg und die Stadt um einen Bären ärmer. Ist aber nur der Berlinale-Bär und Dieter Kosslick wird sich natürlich weiter ums Kino kümmern. Ich für meinen Teil mache mir keine Sorgen, dass die 70. Berlinale im nächsten Jahr weniger zu bieten hat als die diesjährige. Wobei ich längst nicht mehr den Drang verspüre, überall dabei sein zu müssen. Nach einem beispielhaften 24-Stunden-Tag mit drei Berlinale-Partys, die ich für die dpa besuchte, war klar, dass zumindest inhaltlich vielleicht auch eine gereicht hätte. Am Ende sieht man die Promis beim Partyhopping innerhalb eines Tages immer wieder… Wobei die Berlinale-Atmosphäre schon eine Besondere ist und  sich mehr erfahren lässt als bei normalen Premieren. Und auch die Filme bekommen eine besondere, internationale Aura. Mir ist vor allem das Drama „Skin“ des israelischen Regisseurs Guy Nattiv hängengeblieben mit einem fantastischen Jamie Bell in der Hauptrolle.

Picture Skin

Er spielt einen Rechten, der sich vom glühenden Anhänger der amerikanischen White-Supremacy-Ideologie zum verzweifelten Aussteiger entwickelt. Gezeichnet von Hass und unzähligen Tattoos verprügelt er jeden, der ihm in die Quere kommt, wird aber durch die Liebe zu einer dreifachen Mutter, einer Szene-Aussteigerin, bekehrt und will nun ebenfalls raus aus dem braunen Sumpf der Gewalt.  Ich fühlte mich an „Die Kriegerin“, „Imperium“ und „American History X“ erinnert und muss festhalten: Alle Hauptdarsteller (Alina Levshin, Daniel Radcliff und Edward Norton) spielen top, aber Jamie und Alina wirken am authentischsten. Wer also noch einen Filmtipp benötigt und aktuell nicht daran denkt, sich (wie Jamie) alle Tattoos (falls vorhanden) entfernen zu lassen: Go!

Laufen oder Rennen war dann auch für mich während der Berlinale ein Thema, allerdings war das Ziel nicht ein Kino, sondern die Adidas RunBase an der Spree. Marathonprofi Philipp Pflieger bereitete sich hier mit motivierten Läufern auf den kommenden Berliner Halbmarathon von Generali am 7. April vor – und ich war als Redakteurin für das Vision Gold Runners-Magazin von Welt dabei. Logo, dass ich den Lauf begleiten wollte, auch wenn die Interviews davor und danach zu führen waren. Am Ende war der Kompromiss – mein Fahrrad – wohl die richtige Entscheidung, und mein Impuls, mich noch um einen Startplatz zu bewerben, auch nur ein kurzer. Wobei Philipp wirklich gute Argumente lieferte mit seinem motivierenden Training:

Philipp Pflieger
Philipp Pflieger Februar 2019

Am ersten frühlingshaften Wochenende an der frischen Luft statt in einem dunklen Kino zu arbeiten ist natürlich doppelt schön. Und ich bin tatsächlich danach lockere zehn Kilometer durch Berlin gelaufen und hätte sicher auch die 21 bzw. 42 Kilometer geschafft 🙂 Aber die nächsten Termine standen und stehen an, weshalb ich hier auch ende und festhalte: So eine cineastische Sportwoche ist ganz nach meinem Geschmack.

Chapeau, Tim Lobinger!

Dass ich dem Sport sehr zugetan bin, ist klar, und dass ich deshalb gern über Sportler schreibe, auch. Eine Begegnung hat mich jedoch so nachhaltig bewegt, dass ich inzwischen differenzierter über den Leistungssport und den Umgang mit dem eigenen Körper nachdenke. Anlass war mein Interview mit Ex-Stabhochspringer Tim Lobinger im Mai 2018 anlässlich seines Buches „Verlieren ist keine Option“. In einer Art Tagebuch beschreibt der 46-Jährige seinen Kampf gegen den Blutkrebs so erschütternd, dass ich beim Lesen oft abbrechen und mich aufbauende(re)n Dingen widmen musste.  Nach unserem Gespräch war ich schwer beeindruckt von Tims (Über)Lebenswillen und seiner Art, sich von der Krankheit nicht unterkriegen zu lassen:

https://www.leichtathletik.de/news/news/detail/tim-lobinger-ich-bin-und-bleibe-leistungssportler/

Als ich ihn dann Anfang Januar 2019 zum Interview mit meinem werten Playboy-Kollegen Philipp Nowotny in München traf, verfestigte sich mein Eindruck nochmals. Tim ist ein „Stehaufmann“ (von Männchen zu schreiben wäre eine Beleidigung), wie ich ihn noch nie getroffen habe. Er wuppt sein Leben mit einer Disziplin und einem Humor, dass man glauben könnte, er habe nie am Gewinnen (und Überleben) gezweifelt. Hat er aber:

https://www.playboy.de/stars/sport/tim-lobinger-ich-blende-komplett-aus-nur-einen-zeitraum-x-zu-haben

Und auch wenn ich nicht ständig Interviewbilder posten will, muss dieses, auf dem er so sympathisch lächelt, dann doch noch sein:

Tim Lobinger
Mit Tim Lobinger beim Playboy-Interview im Januar 2019 in München

Ich wünsche ihm von Herzen, dass er gesund bleibt (bzw. gänzlich wird) und dass seine Träume mit der Familie allesamt in Erfüllung gehen.